
Ein Neubeginn in schwieriger Zeit
Die letzten Kriegsjahre bedeuteten für die junge Familie Williams eine schwere Zeit. In den Wirren des Krieges verlor sie fast ihr gesamtes Hab und Gut. Nach der Flucht gelangte die Familie mit den verbliebenen Tieren und 76 Angestellten nach Thüringen. Doch auch dort war die Zukunft des Circus zunächst ungewiss.
Mit dem Ende des Krieges und dem Übergang Thüringens in die sowjetische Besatzungszone entschloss sich die Familie, mit ihrem Circus in die britische Besatzungszone weiterzuziehen. Der Weg dorthin war unter den schwierigen Bedingungen der unmittelbaren Nachkriegszeit beschwerlich, doch für Carola und Harry Williams bedeutete die Flucht zugleich den entscheidenden Schritt zu einem neuen Anfang.
Dank des britischen Passes von Harry Williams und der dadurch möglichen Genehmigungen der britischen Besatzungsbehörden konnte der Circus bereits im Juni 1945 – nur wenige Wochen nach Kriegsende – wieder auftreten. In angemieteten Zeltanlagen des Circus Carl Hagenbeck präsentierte sich das Unternehmen zunächst als „The Great Williams Circus Show“.
Damit begann der schwierige, aber bemerkenswert schnelle Wiederaufbau des Circus Williams. Aus den wenigen verbliebenen Tieren, dem geretteten Material und einer Gruppe treuer Mitarbeiter entstand erneut ein reisendes Circusunternehmen. Was zunächst wie ein provisorischer Neubeginn unter den schwierigsten Bedingungen aussah, sollte schon bald zu einem der erfolgreichsten Kapitel in der Geschichte des Circus Williams werden.


Sprungbrett für große Circuskarrieren
In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde der Circus Williams zum Ausgangspunkt für manche große Circuskarriere. Der später bekannte Raubtierlehrer Gerd Siemoneit-Barum heuerte 1946 bei Williams zunächst als „Mädchen für alles“ an, bevor er zum Circus Barum wechselte.
Auch Heinz Geier, der spätere Direktor des Doppelcircus Busch-Roland, begann seine Laufbahn bei Williams als Tierpfleger. 1947 fand Günther Gebel bei Williams eine neue berufliche Heimat.
Heinz E. Baumann, besser bekannt als Charly Baumann, machte ab 1947 bei Williams Station und entdeckte dort seine Berufung zum Raubtierlehrer. 1950 kam er beim Gastspiel in Hamburg dem Dompteur Jean Michon während eines Löwenangriffs mutig zu Hilfe, ein Erlebnis, das seine weitere Laufbahn entscheidend prägen sollte.


Circus und Karneval
Schon in den ersten Nachkriegsjahren spielte der Circus Williams auch beim Wiederaufleben des gesellschaftlichen Lebens eine besondere Rolle. Da zahlreiche Veranstaltungssäle noch zerstört waren, fanden die Düsseldorfer Karnevalisten 1947 im beheizten Winterzelt des Circus an der Erkrather Straße eine geeignete Unterkunft für ihre erste größere Karnevalssitzung nach dem Krieg. Auch in Köln wurde der Circus Williams bald zu einem wichtigen Mittelpunkt des wiedererwachenden Karnevals.


Der Williamsbau: Kultur und Lebensfreude im Nachkriegsköln
In den schwierigen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der Circus Williams eine besondere Rolle beim kulturellen und gesellschaftlichen Neubeginn in Köln. Gemeinsam errichteten Carola und Harry Williams 1946/47 an der Aachener Straße einen halbfesten Bau, der ursprünglich als Winterquartier des Circus gedacht war. Am 25. Juli 1947 wurde der rund 2.500 Zuschauer fassende Williamsbau feierlich eröffnet.
Da es im weitgehend zerstörten Köln kaum geeignete Veranstaltungshallen gab, entwickelte sich der Williamsbau rasch zu einem wichtigen Veranstaltungsort. Hier fanden neben Circusvorstellungen unter anderem Konzerte, Theateraufführungen, Sportveranstaltungen und vor allem zahlreiche Karnevalsveranstaltungen statt. Der Williamsbau wurde damit zu einem wichtigen Treffpunkt des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Stadt.
Auch der Kölner Karneval fand hier nach den Kriegsjahren wieder eine Heimat. Karnevalssitzungen und weitere Veranstaltungen lockten zahlreiche Besucher an und trugen dazu bei, dass in Köln nach den schweren Kriegsjahren wieder ein Stück Normalität und Lebensfreude einkehren konnte.
Der Mangel an Baumaterial führte beim Aufbau des Williamsbaus zu ungewöhnlichen Tauschgeschäften. So tauschte der Circus beispielsweise Elefantenmist gegen dringend benötigte Baustoffe – denn der wertvolle Mist war in der Nachkriegszeit als hochwertiger Dünger begehrt.
Auch in Düsseldorf stellte der Circus Williams seine Räumlichkeiten für den Neubeginn des gesellschaftlichen Lebens zur Verfügung. 1947 nutzten die Düsseldorfer Karnevalisten das beheizte Winterzelt des Circus an der Erkrather Straße für ihre erste größere Karnevalssitzung nach dem Krieg.


Wie „Hennes“ zu seinem Namen kam
Auf einer Karnevalssitzung des 1. FC Köln überreichten Carola und Harry Williams der Mannschaft einen kleinen Geißbock als Glücksbringer.
Der Legende nach war das Tier im Rampenlicht so aufgeregt, dass es Trainer Hennes Weisweiler kurzerhand anpinkelte. Damit war auch sein Name gefunden: „Hennes“.
Auch der Nachfolger Hennes II wurde später von der Familie Williams gestiftet.


Verbunden mit Köln
Carola Williams blieb der Stadt Köln auch über den Circus hinaus eng verbunden. Durch ihr soziales Engagement und ihre Unterstützung beim Wiederaufbau der St. Aposteln-Kirche am Neumarkt sowie eines Krankenhauses wurde ihr Name in Köln nachhaltig bekannt und ist bis heute eng mit der Stadt und ihrer Bevölkerung verbunden.





