Williamsbau

In den Jahren 1946 und 1947 ließen Harry und Carola Williams an der Aachener Straße in Köln einen halbfesten Circusbau errichten. Das von dem Architekten Wilhelm Koep geplante Gebäude lag am Rand der westlichen Kölner Innenstadt, in Höhe des Aachener Weihers, und sollte zunächst als Winterquartier des Circus Williams dienen. Am 25. Juli 1947 wurde der Williamsbau feierlich eröffnet.

Der Bau entstand in einer Zeit, in der Köln noch schwer von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gezeichnet war. Baumaterial war knapp und nur unter großen Schwierigkeiten zu beschaffen. So kam es beim Bau zu ungewöhnlichen Tauschgeschäften: Der Circus tauschte beispielsweise Elefantenmist gegen dringend benötigte Baustoffe, denn der wertvolle Mist war in der Nachkriegszeit als begehrter Dünger von erheblichem Wert.

Da die großen Veranstaltungshallen Kölns dem Krieg zum Opfer gefallen waren, entwickelte sich der Williamsbau schnell weit über seine ursprüngliche Funktion hinaus. Mit einem Fassungsvermögen von rund 2.500 Zuschauern war er über mehrere Jahre die größte Veranstaltungshalle der Stadt und wurde zu einem wichtigen Mittelpunkt des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens.

In den Monaten, in denen der Circus Williams auf Tournee war, wurde die Manege zur Bühne für ein erstaunlich vielseitiges Veranstaltungsprogramm. Musikabende, Jazz- und Swingkonzerte, Operetten und Märchenspiele fanden hier ebenso statt wie Sportwettkämpfe und politische Kundgebungen. Auch international bekannte Künstler gastierten unter der Kuppel des Williamsbaus. Marika Rökk, Lionel Hampton und Louis Armstrong traten hier ebenso auf wie bekannte Kölner Persönlichkeiten, darunter der legendäre Boxer Peter Müller, genannt „Müllers Aap“, und die Sängerin Grete Fluss.

Zudem diente der prächtige Bau ab und an auch als Filmkulisse. 1950 drehte Harry Piel dort den Streifen „Der Tiger Akbar“, welcher ab 1958 auch als „Panik im Zirkus Williams“ lief.

Eine ganz besondere Bedeutung hatte der Williamsbau für den Kölner Karneval. Er wurde zur Heimstatt zahlreicher Karnevalsveranstaltungen und bot in einer Zeit, in der viele traditionelle Veranstaltungsorte noch nicht wieder zur Verfügung standen, den passenden Rahmen für das Wiederaufleben des Kölner Brauchtums. Neben den großen Karnevalssitzungen fanden hier die „Elfter im Elften“-Feiern zur Eröffnung der jeweiligen Session statt. Bis 1955 wurden im prächtig geschmückten Williamsbau außerdem die Prinzenproklamationen abgehalten.

Damit war der Williamsbau weit mehr als ein Winterquartier des Circus Williams. Inmitten einer vom Krieg gezeichneten Stadt entstand ein Ort, an dem die Kölner wieder zusammenkamen, feierten und ein Stück Normalität und Lebensfreude zurückgewannen. Circus, Karneval, Musik, Theater, Politik und Sport machten ihn zu einem lebendigen Mittelpunkt des Nachkriegskölns.

Eine besondere Verbindung zum Kölner Sport entstand am 13. Februar 1950 während einer Karnevalssitzung im Williamsbau. Carola Williams überreichte der Mannschaft des 1. FC Köln einen jungen Geißbock als Karnevalsscherz. Der Legende nach sorgte das aufgeregte Tier im Rampenlicht für einen kleinen Zwischenfall mit Hennes Weisweiler und erhielt daraufhin den Namen „Hennes“. Der Geißbock wurde zum Maskottchen des Vereins; auch sein Nachfolger Hennes II wurde später von der Familie Williams gestiftet.

Der Williamsbau blieb bis 1955 ein wichtiger Veranstaltungsort der Stadt. Mit dem Wiederaufbau der großen Veranstaltungshallen in der Kölner Innenstadt verlor er seine ursprüngliche Bedeutung und wurde 1956 abgerissen.

Jahrzehnte später kehrte die Erinnerung an diesen besonderen Ort noch einmal nach Köln zurück. Am 3. Juni 2018 wurde die Grünfläche an der Ecke Aachener Straße/Innere Kanalstraße in „Carola-Williams-Park“ benannt und eine rund zwei Meter hohe Stele zu Ehren von Carola Williams enthüllt.

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